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Das Denkmal der Bessarabiendeutschen im Park von Tarutino

Renate Tarnaske , Sigrid Standke · 01. Dezember 2022
Denkmal in Tarutino
Denkmal in Tarutino

Kürzlich hielten wir eine Ansichtskarte in den Händen, die das Denkmal zur Erinnerung an die deutschen Siedler in Tarutino zeigt. Diese Karte löste Freude und Wehmut bei uns aus. Freude bei der Erinnerung an die Feierlichkeiten zum 200-jährigen Jubiläm von Tarutino. Wir waren dabei und haben viele schöne Erinnerungen an dieses Fest, das wir gemeinsam mit den Menschen aus der Region Tarutino feierten. Acht Jahre ist das nun schon her.

Wehmut, Trauer und auch Wut, weil ein grausamer Krieg auf dem Territorium der Ukraine es in diesem Jahr verhindert, dass in Sarata deutsche Besucher mit der einheimischen Bevölkerung gemeinsam ein fröhliches Geburtstagsfest feiern können. Auch wir hatten uns schon lange auf dieses Jubiläum und eine damit verbundene Reise gefreut.

Doch nun zurück zu dem Denkmal in Tarutino. Es kam die Frage auf, eigentlich wissen wir nicht viel zum Entstehen und welche Aussage geht von ihm aus. Da suchte ich mir das Mitteilungsblatt vom Oktober 2014 heraus und fand die Beweggründe für die Errichtung des Denkmals und die damit verbundene künstlerische Symbolik, mit den zwei aus dem Boden ragenden Armen mit Händen, beschrieben.

So sieht die ganze Postkarte aus

So sieht die ganze Postkarte aus

Da war zu lesen:

„Die verschiedenen Handabdrücke stehen für das gute Einvernehmen der verschiedenen Völkerschaften Bessarabiens und die Notwendigkeit vieler verschiedener Hände für das gute Gelingen des Gemeinschaftslebens. Die Inschriften sind in Deutsch, Russisch, Englisch und Ukrainisch und ein Dank an die Gründer von 1814 der Gemeinden Tarutino, Krasna und Borodino. Das Schild zwischen den haltenden Händen trägt das Ortswappen und das Wappen der Bessarabiendeutschen in den Farben blau und gelb.“

Maßgeblich verantwortlich für die Entstehung dieses Denkmals waren der damalige Bundesvorsitzende des Bessarabiendeutschen Vereins Günther Vossler und die damalige Vorsitzende des Heimatgemeindeausschusses für Tarutino Renate Tarnaske.

Finanziert wurde das Denkmal durch Spendengelder von Nachkommen ehemaliger deutscher Bewohner. Die Namen der drei Hauptsponsoren sind im Sockel des Denkmals zu lesen.

Nach den Erinnerungen an die Entstehung dieses Denkmals konnten wir jetzt nur noch Renate Tarnaske fragen. Sie war auch gern bereit und schrieb uns ihre nachfolgenden Erinnerungen:

„Bei den Vorbereitungen zur 200-Jahrfeier für Tarutino in Neu Wulmstorf, Deutschland, gingen uns viele Ideen durch den Kopf. Uns war klar, dass wir etwas für Tarutino erarbeiten wollten. Günther Vossler und meine Wenigkeit waren der Meinung, dass es eine bleibende Sache werden müsste. Dann kam uns der Gedanke, ein ‚Denkmal‘ müsste es sein. Viele Ideen, wie es aussehen sollte oder könnte, kamen aufs Papier. Aber nichts davon kam in Frage.

In Vorbereitung der Feierlichkeiten machten wir uns immer wieder auf den Weg nach Bessarabien. Zuerst musste mit dem Bürgermeister, zur damaligen Zeit Iwan Iwanowitsch Kurutsch, gesprochen werden, was er davon halten würde. Außerdem baten wir um eine Genehmigung zum Aufstellen eines Denkmals. Dann mussten wir uns um einen Künstler (Bildhauer oder Gestalter) kümmern. So hatten wir mit drei verschiedenen Herren Kontakt aufgenommen und ließen uns Vorschläge machen. Der Vorschlag von Arkadi aus Odessa kam in die nähere Auswahl.

Sigfied Trautwein am Denkmal in Tarutino

Sigfied Trautwein am Denkmal in Tarutino

Wir waren gerade bei Swetlana Kruk, die ein Hotel in Tarutino führt, als wir ein erstes Model von unserem Künstler bekamen. Der Zufall wollte es, dass der damalige Landrat Alexander Tasmasys bei Swetlana im Hotel vorbeikam und wir ihm das Model zeigen konnten, von welchem er angetan war. Nun wussten wir, dass wir die richtige Wahl getroffen hatten. Das Denkmal bestand aus einer Bodenplatte, die mit Ornamenten der Erdteile versehen war. Aus dieser Bodenplatte strecken sich zwei Arme mit Händen in die Höhe, die eine Tafel halten. Auf der einen Seite der Tafel ist das Wappen von Tarutino zu sehen und auf der anderen Seite das Wappen der Bessarabiendeutschen.

Arkadi bat uns bei einem Besuch in seinem Atelier: ‚Wir möchten doch bitte einmal von unseren Händen einen Abdruck machen.‘ Uns war nicht klar wozu, aber wir sollten später eine Antwort darauf bekommen. Unsere Handabdrücke wurden in einer Vielzahl auf die beiden Arme gearbeitet.

Bei der Freigabe des Denkmals zur Jubiläumsfeier ‚200 Jahre Tarutino‘ fügten wir der Ansprache bei, dass viele Hände an der Gestaltung Tarutinos beteiligt waren und dieses Denkmal als Erinnerung und Gedenken allen ehemaligen und jetzigen Bewohnern Tarutinos gewidmet sei.“

Liebe Renate Tarnaske, danke für deine Erinnerungen. Sie helfen uns, die künstlerische Symbolik des Denkmals zu verstehen. Außerdem bewahrt das Denkmal die Erinnerung an die Gründer und nachfolgenden Generationen von deutschen Siedlern bis hin zu den heute dort lebenden Menschen. Und es hält die Erinnerung wach an die Menschen, die sich um seine Entstehung bemüht haben.

Danke auch ihnen.