Landmenge (Hektar) – bei Gründung/bei Umsiedlung
Landmenge: 4.400
Lokalisierung
Ukraine
Karte
Einwohner
Deutsche Bewohner: 1.451
Fremdstämmige: 63
Anzahl der Familien Umsiedlung
Familien: 82
Besonderheiten der Kolonie
Mutterkolonie
Glaubensrichtung
Religion: evangelisch-lutherisch
Historie
Im Sommer 1814 kamen die ersten Auswanderer unter der Führung russischer Beamter aus Polen, wohin ihre Vorfahren in den Jahren 1796 bis 1806 aus Württemberg ausgewandert waren. In Wittenberg konnte man auch nach der Revolution 1917 bis in die rumänische Zeit hinein die Zarenbilder an den Wänden hängen sehen. Die Schwaben folgten dem Ruf Alexanders I., auf den sie eine messianisch-religiöse Hoffnung gesetzt hatten.
Nach einer Überwinterung 1815/16 in moldauischen Dörfern kamen sie zur Ansiedlung in das breite Kirgisch-(Kitai)Tal, durch welches das Bächlein gleichen Namens floss. Zu beiden Seiten desselben, eine breite Straße freilassend, wurde je eine Reihe Häuser begonnen, und in der Mitte von vorneherein ein großer Platz für die öffentlichen Gebäude reserviert. Die Kolonie „Mariental", später in Malojaroslawetz zur Erinnerung an den russischen Sieg über Napoleon vom Fürsorgekomitee umgetauft, erhielt ein Landgut von 8280 Deßjatinen (etwa 9048 Hektar), die auf 138 Familien zu je 60 Deßjatinen aufgeteilt waren. Die sieben Schwaben wollten aber vier Straßen haben und zählten darum nach Norden je zwei Reihen als zwei Straßen und nach Süden ebenso.
Durch großen Fleiß und Sichhineinfinden in die naturgegebenen Voraussetzungen kamen die Wittenberger langsam aber sicher vorwärts. Man war zunächst auf den Getreidebau angewiesen, war misstrauisch gegen den von der Urheimat her bekannten Wein- und Obstbau, bis man gute Erfahrungen machte und nachher herrliche Weinberge anlegte.
Mehr als die anderen Gemeinden hatte Wittenberg durch militärische Einquartierungen zu leiden. Hier kreuzten sich die Straßen von Kischinew nach Ismail und Bender nach Reni. Die durchziehenden Truppen in den Russisch-Türkischen Kriegen 1829/30 und 1877/78 ließen sich ohne Bezahlung Vorspanne geben, brachten auf der Heimkehr Epidemien mit und verzehrten im Winterquartier alle Vorräte an Futter und Lebensmitteln.
Obwohl durch die Teilung der Gemeinde Luft geschafft worden war, trat doch bald wieder Baulandnot ein. Die Gemeinde vergrößerte das Bauland nicht; die Anzahl der Familien aber wuchs. So blieb nur ein Weg: neue Familien „abzustoßen und auswärts unterzubringen" und außerdem dem Handwerk größere Aufmerksamkeit zu widmen.
Wir sehen seit der Gründung der Tochtergemeinden die Wittenberger an der Gründung der Gemeinde Albota fast ausnahmslos beteiligt; viele zogen in die Gemeinden Wischniowka, Alexandrowka und andere Dörfer und kamen dort gut vorwärts. Die in Wittenberg Verbliebenen wandten sich in großer Anzahl dem Handwerk zu; besonders blühte der Wagenbau. Es gab dreiunddreißig Schmieden, die am Wagenbau gut verdienten und in den Bulgarendörfern ein gutes Absatzgebiet fanden. Der Wagenmarkt in Ceader-Lunga war von den Wittenbergern beherrscht. Es gab auch fünf Tischler, einen Sattler und vier Kolonialwarenhändler, Eine gute modernisierte Mühle zog Kunden aus den in der Umgebung liegenden Dörfern aller Nationen an und belebte den örtlichen Handel.
(Heimatbuch der Bessarabiendeutschen, Pastor Albert Kern, S. 142-146)