Karte
Einwohner
Einwohner 1930: 330 Deutsche / 6 Andere
Einwohner 1940: 374 Deutsche / 22 Andere
Historie
Ryschkanowka gehört zu den auf Grund privater Initiative entstandenen Siedlungen. Da es sich bei den Gründern um Übersiedler aus einem anderen Land handelt, hat Ryschkanowka Anspruch, als Mutterkolonie eingestuft zu werden, zumal die Begründer von Tochterkolonien aus den Siedlungsgebieten des eigenen Landes kamen.
Mehrere Familien waren aus den Dörfern in Galizien aufgebrochen in der Hoffnung, günstiges Siedlungsland zu finden. Im Sippenbogen der Familie Bach und Kauck steht, dass sie 1860 beziehungsweise 1861 nach Bessarabien kamen. Als 1861 die Leibeigenschaft in Rußland aufgehoben wurde, hatten die Gutsbesitzer plötzlich keine Arbeitskräfte mehr. In dieser Situation befand sich der russische Graf Leopold Leopoldowitsch Ryschkan, welcher im Kreis Bältz in Nordbessarabien einen größeren Landbesitz hatte. Dem Grafen waren die vierzehn deutschen Familien aus Galizien willkommen, deren Wunsch auf Pachtland er erfüllen konnte. Diese waren im Gegenzug bereit, den von den deutschen Gärtnern Dietrich, Reiser und Rösler angelegten Park beim Herrensitz des Grafen zu übernehmen, zu pflegen und zu betreuen.
Bei den vierzehn Gründerfamilien ist es nicht geblieben. Bis zum 1. Weltkrieg sollte der Zug nach Ryschkanowka aus Galizien nicht abreißen, nicht deshalb, weil immer mehr Land zu pachten möglich war, vielmehr, weil laufend Familien wegzogen, so im Jahre 1889 gleich sieben Familien. Diese übersiedelten in das bei Alt-Scholtoi im gleichen Jahr angelegte Neu-Scholtoi, 25 Kilometer südlich von Ryschkanowka. Der häufige Abgang in den ersten Jahrzehnten dürfte seinen Grund darin haben, dass die Siedlungsbedingungen in Ryschkanowka nicht ideal waren, und die Menschen dahin aufbrachen, wo sie es besser anzutreffen hofften.
Die Gemeinde wählte aus ihren Reihen einen Schulzen, dessen wichtigste Aufgabe darin bestand, täglich dafür zu sorgen, dass von jeder Familie ein Vertreter zur Arbeit im Park erschien. Unter Rumänien war es der Primar, den die Gemeinde statt des Schulzen zu wählen hatte. 1932 wurde Ryschkanowka mit dem Marktflecken Rischkani zur Großkommune vereinigt.
(Heimatkalender 1990 Verf.: Hugo Häfner)
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Geschichte von Ryschkanowka
Literatur/Referenzen
Heimatkalender 1990 Verf.: Hugo Häfner