Landmenge (Hektar) – bei Gründung/bei Umsiedlung
Ackerflächen: 1495 Hektar
Lokalisierung
kleines Dorf westlich von Marazliivka, Odes´ka, Ukraine
Karte
Einwohner
Volkszählung 1930: 142 Deutsche / 7 Andere
Einwohner 1940:
Historie
Weitab von allen wichtigen Verkehrswegen lag, eingebettet in einen Kranz junger Akazien, das Dorf Romanowka. Stattliche Bauernhöfe mit geräumigen Wohnungen zu beiden Seiten der breiten Dorfstraße zeugten von der Strebsamkeit und von dem Fleiß sowie der Ordnungsliebe seiner Bewohner. Der Name geht auf den des russischen Zarengeschlechtes zurück und ist ein Zeugnis von der Treue der Kolonisten zu dem Herrscherhause und der Obrigkeit.
Im Jahre 1893 kauften die Gründer der Gemeinde 1492 Deßjatinen Land von der Gräfin Tolstoi zum Preise von 109 Rubel pro Deßjatine. Zum Bebauen des Landes kam es aber erst im Jahre 1895, da es verpachtet war.
Die Gründer stammten aus verschiedenen Gemeinden. Es sei nur erinnert an die Familien: Benninger und Traub (Gnadental), Anidam (Paris), Wiedmann (Katlebug), Siewert (Alt-Eift), Renn (Friedenstal) usw. Alle Gründer waren Bauern und blieben es bis zur Umsiedlung 1940. Die Landwirtschaft hat trotz mancher Rückschläge in Missjahren die Leute nicht nur ernährt, sondern zu einem sichtbaren Wohlstand gebracht. Dabei hatten die Bewohner Sinn für eine gute Ausstattung der Wohnung und sonstige kulturelle Bedürfnisse.
Die Gemeinde Romanowka hatte nicht nur gutes Land, sondern sie führte auch eine mustergültige Wirtschaft. Obwohl in den Jahren 1899 und 1904 Missernten waren und ein Hagelschlag im Jahre 1912 einen taxierten Schaden von 50.000 Rubel anrichtete, stand doch im Jahre 1914 bereits eine Dampfdreschmaschine im Dorfe; es waren 70 Pflüge und 40 Mähmaschinen vorhanden. Der Bestand an Haustieren betrug: 162 Pferde, 190 Stück Hornvieh und 360 Schafe. Die Romanowkaer sind der Landwirtschaft treu geblieben und haben bis zum Berichtsjahr 1914 fünf sehr gute Ernten gehabt.
Groß waren die Belastungen, die der kleine Ort für den Haushalt der Gemeinde tragen musste. Das begann schon bei den zwei großen, je 42 Meter tiefen Brunnen, aus denen das Trinkwasser für Mensch und Tier und Wasser für alle sonstigen Bedürfnisse mit Pferden heraufgezogen werden musste. Beide Brunnen standen jährlich mit erheblichen Unterhaltskosten im Haushalt. Schon im Jahre 1904 wurde ein stattlicher Bau mit einem Vorturm errichtet, der einen Betsaal, Schulraum und eine Küsterwohnung umfasste. Nach einem Wolostbericht waren im Jahre 1914 30 Schulkinder am Ort. Die Schule wurde bis Ende des Ersten Weltkrieges ganz von der Gemeinde unterhalten, nach 1918 blieben nur die Sonderleistungen für den Deutsch- und Religionsunterricht und das Küstergehalt.
Das kirchliche Leben äußerte sich aber nicht allein in der Erfüllung der materiellen Belastungen. Die Gottesdienste waren gut besucht; an pastoralen Gottesdiensten waren alle Plätze besetzt. Es bestand auch eine kirchliche Gemeinschaft, die viel zur Vertiefung des Glaubenslebens beitrug und die dank der Kirchentreue des Leiters L. Siewert allen sektiererischen Einflüssen standhielt.
Die Spuren tüchtiger Lehrer wie I. Baumann und anderer waren im kirchlichen Leben nicht verwischbar. Da der Lehrer stets auch die Lesegottesdienste hielt und die Konfirmanden bis zum Kirchspielskonfirmandenunterricht vorbereitete, war eine Gewähr für den Religionsunterricht auch dann gegeben, als von der rumänischen Schulobrigkeit nur noch eine Wochenstunde dafür genehmigt war. Von den Lehrern, die am längsten in der Gemeinde tätig waren, seien genannt: Albert Gunsch, J. Heer, Oskar Baumann, Ed. Schwarzmann und Alex. Schreiber.
Nach der Kartei festgestellte Verluste unter den Zivilpersonen (Stand vom 31. Dezember 1964)
Verschleppte: 2
Auf der Flucht und in der Verschleppung Verstorbene: 4
(Heimatbuch der Bessarabiendeutschen v. Pastor Albert Kern S. 164-165)
Literatur/Referenzen
Heimatbuch der Bessarabiendeutschen v. Pastor Albert Kern S. 164-165