Bedeutung des Namens
Der Ortsname ist sicherlich auf Zar Nikolaus I. bezogen und zur Unterscheidung von zumindest zwei nichtdeutschen Dörfern mit dem Zusatz »Neu* versehen. Im Volksmund wurde der Ort auch „Zensereni“ (mir unbekanntem Bezug) genannt.
(Quelle: Jahrbuch für Ostdeutsche Volkskunde Band 10 1966/1967)
... siehe auch "Historie"1
Lokalisierung
Moldova
Einwohner
Volkszählung 1930: 558 Deutsche / 53 Andere
Einwohner 1940: 573 Deutsche / 32 Andere
Karte
Historie
Im Jahre 1889 kauften deutsche Kolonisten aus den verschiedensten Gemeinden von dem russischen Gutsherrn Nikolajew ein Landgut von 1715 Deßjatinen und gründeten darauf das Dorft "Neu-Nikolajewka". Im Volksmund hieß es unrechtmäßig "Zenzereni", offenbar nach dem acht bis zehn Kilometer entfernten, nördlich gelegenen moldauischen Ort. Das Wortspiel hat jedenfalls gefallen, dem Ansehen nach hatte das schöne Dörfchen Neu-Nikolajewka nichts mit dem unansehnlichen Moldowanerdorf zu tun.
Die Gründer mit ihrem in Klammern angegebenen Landanteil sind: (siehe Heimatbuch der Bessarabiendeutschen von Albert Kern, Seite 252). Der überwiegende Teil waren wohlsituierte Schwaben aus Wittenberg, Sarata, Hoffnungstal, Lichtental, Friedensfeld und anderen Dörfern.
Die Hauptbeschäftigung war die Landwirtschaft, die mustergültig und mit viel Liebe und Hingabe betrieben wurde. Die Nähe der Stadt Kischinew (35 Kilometer) und Bender (18 Kilometer) brachte gute Absatzmöglichkeiten für die Getreidearten Weizen, Gerste, Hafer, Mais und Ölfrüchte.
Auch die Viehzucht wurde eifrig betrieben. Die Milchprodukte wurden durch eine auf genossenschaftlicher Basis arbeitenden Molkerei vertrieben. Die Schafzucht, auf die Aufzucht des Karakulschafes umgestellt, brachte große Einnahmen. Für den Bedarf der Gemeinde dienten eine Ölmühle, eine Zementdachziegelei, zwei Tischlereien, zwei Schmiedewerkstätten, zwei Herren- und Damenschneidereien, zwei Schuster- und zwei Sattlereien, eine Friseurstube und ein genossenschaftlicher Kaufladen. Weithin bekannt war die moderne Getreidemühle. Die Gemeinde hatte alles, was zu einem aufstrebenden Wirtschaftsleben gehörte und machte einen abgerundeten, abgeschlossenen und harmonischen Eindruck. Trotzdem suchten manche über dem Ozean eine bessere Entfaltungsmöglichkeit, vielleicht angetrieben durch einige Mißernten und immer wieder auftretende Krankheiten wie Typhus, Malaria und Seuchen unter dem Vieh.
Neu-Nikolajewka wir in dem Bericht der Unterstützungskasse von St. Petersburg als zu Kischinew gehörend aufgezählt. Er nennt folgende Zahlen und bezieht sich auf das Jahr 1906/1907: 299 Seelen, eine Kirchenschule mit 68 Schülern. Der Schulunterricht und der Gottesdienst fanden in einem Raum statt. Eine Kirche mit einem halben Hektar Gartenland, ein Schulgebäude, eine Küsterwohnung und die Wirtschaftsbauten bildeten seit 1930 das Gemeindezentrum. Der Besuch der Gottesdienste war sehr gut; besondere Festtage waren die Besuche des Pastors aus Kischinew. Der letzte Pastor, Erich Gutkewitsch, wird noch lange in der Erinnerung der nach der Umsiedlung zerstreuten Gemeindeglieder fortleben.
Die Gemeinde war verwaltungsmäßig selbständig. Eine der verdienstvollsten Persönlichkeiten der Gemeinde war der weithin bei den Behörden und in den kirchlichen und völkischen Organisationen bekannte Mühlenbesitzer Karl Wildermuth. - Die Gemeinde zähle 573 Seelen und hatte zum Zeitpunkt der Umsiedlung 24 Gefallene und Vermißte zu beklagen.
Nach der Kartei festgestellte Verluste unter den Zivilpersonen (Stand vom 31. Dezember 1964)
Verschleppte: - ; auf der Flucht und in der Verschleppung Verstorbene: 4
(Quelle: Heimatbuch der Bessarabiendeutschen, Albert Kern, Seite 252-254)